
„Lieben heißt: den anderen sein lassen – und ihm dennoch nahe bleiben.“
– Irvin D. Yalom
Paartherapie widmet sich einem der tiefsten und zugleich sensibelsten menschlichen Themen: der Liebesbeziehung. Wenn Paare Unterstützung suchen, dann geht es nicht nur um „Probleme“. Es geht um Verletzlichkeit, enttäuschte Erwartungen, um das Gefühl, sich nicht mehr zu erreichen bei zugleich intensiv bestehender Sehnsucht nach Nähe, Verstehen und Verbindung.
Die moderne Paartherapie wurzelt in verschiedenen Ansätzen, die sich seit den 1950er-Jahren entwickelt haben: systemisch, bindungsorientiert, erfahrungsnah, körperbezogen. Forschende und Praktiker*innen wie John & Julie Gottman, David Schnarch, Esther Perel (unter andern) haben wichtige Beiträge dazu geleistet, was gelingende Partnerschaft stärkt – und was sie untergräbt.
Für mich persönlich erlebe die Arbeit mit Paaren als Leidenschaft und Berufung, da sie mit so was Entscheidendem in unserem Leben wie die Liebe zu tun hat. Nicht nur mit ihrer romantischen Phase, sondern mit der Kunst, wie sie im realen, schwierigen Alltag dauerhaft gelebt werden kann (mit Kriseen, Dialog, Konflikt, Intimität, Unterscheide, Lust, AUtonomie, Verantwortung und Wachstum…).
Typische Anlässe für eine Paartherapie:
- Streitspiralen, Dauerkonflikte, Vorwürfe, Rückzug, Resignation
- Kommunikationsprobleme – Missverständnisse, Mauern, Schweigen
- Emotionale Entfremdung, „Abkühlung“, Verlust von Nähe
- Untreue, Vertrauensbruch, Verarbeiten einer Affäre
- Sexualität – Lustlosigkeit, Unsicherheit, Schweigen über Bedürfnisse
- Elternschaft als Belastung für das Paar – das „Wir“ geht im Funktionieren verloren
- Suchtproblematiken – Co-Abhängigkeit, Hilflosigkeit, Rückfälle
- Psychische Belastungen wie ADHS, Depression, Angst und deren Auswirkungen auf die Beziehung
- Traumatisierungen, die sich in Beziehungsmustern zeigen (z. B. Rückzug, Überkontrolle, Bindungsangst)
- Patchworkfamilien – neue Rollen, Loyalitätskonflikte, Ex-Partner-Dynamiken
- Ambivalenz – bleiben oder gehen?
- Trennung / Scheidung – konstruktiv und verantwortungsvoll begleitet
- **„Gute Eltern bleiben“ trotz Trennung – im Sinne der Kinder
- Liebeskummer, sich wieder öffnen nach Verletzung
- Partnersuche, Beziehungsfähigkeit, wieder vertrauen lernen
Beziehungen tragen unsere früheren Prägungen in sich.
Unsere Paarbeziehungen sind mehr als gegenwärtige Verbindungen – sie sind auch Resonanzräume unserer früheren Beziehungserfahrungen. Wie wir streiten, vertrauen, uns zeigen oder schützen, ist häufig geprägt durch unsere familiären Wurzeln:
Habe ich mich als Kind gesehen und wichtig gefühlt?
Durfte ich Bedürfnisse zeigen?
Wie wurde mit Nähe, Spannung, Schuld oder Verletzung umgegangen?
Epigenetisch gespeicherte Belastungen aus früheren Generationen – wie emotionale Kälte, Bindungsbrüche, Verluste, Kriegserfahrungen – können in der heutigen Paarbeziehung weiterwirken. Auch Glaubenssätze wie „Ich muss stark sein“ oder „Ich bin nicht wichtig“ prägen das emotionale Miteinander.
Gerade durch die Drei-Generationen-Perspektive lässt sich oft verstehen, warum bestimmte Muster so tief sitzen – und wie Paare neue, gesündere Wege finden können.
Wie läuft eine Paartherapie ab?
Der therapeutische Prozess ist immer individuell – Paare haben unterschiedliche Themen, Dynamiken und Veränderungsziele. Erfahrungsgemäß sind zwischen 5 und 25 Sitzungen hilfreich, in einem Rhythmus von 2–4 Wochen.
Einige Paare suchen gezielt klärende Impulse in einer akuten Krise, andere möchten über Monate hinweg tieferliegende Muster verstehen und verändern. In manchen Fällen sind auch Einzelsitzungen innerhalb des Paarprozesses sinnvoll – wenn zum Beispiel persönliche Themen Raum brauchen, die sich auf die Beziehung auswirken.
Im gemeinsamen Erstgespräch klären wir Ihre Themen, Ihre Ziele – und wie der passende Rahmen dafür aussieht.
Und wenn Kinder da sind – oder eine Trennung bevorsteht?
Kinder spüren unausgesprochene Spannungen – und leiden oft leise mit. Eine belastete Paarbeziehung hat immer Auswirkungen auf das emotionale Klima in der Familie. Paartherapie kann dabei helfen, wieder mehr Verständigung und Ruhe ins Familiensystem zu bringen.
Im Falle einer Trennung biete ich eine begleitete Übergangsphase, in der Sie als Eltern Ihren Konflikt klären und tragfähige, klare Ko-Elternschaft entwickeln – zum Wohl der Kinder.
Meine Haltung: klar, empathisch, entwicklungsorientiert
Ich arbeite auf der Basis systemischer, bindungsorientierter und erfahrungszentrierter Methoden – aber vor allem mit dem Blick auf das, was für Sie als Paar stimmig ist.
Paartherapie ist kein Urteil über das Gelingen oder Scheitern einer Beziehung – sie ist ein Raum für Verstehen, Entwicklung, Würdigung und Entscheidung.
„Liebe ist nicht das, was einfach geschieht – sondern das, was wir gemeinsam gestalten können.“
– inspiriert von Erich Fromm